Inszenierung von Nikolaus Habjan mit Puppen am Staatstheater Wiesbaden.

Ich habe bereits auf Nikolaus Habjan, den Grazer Puppenspieler, Kunstpfeifer und Regisseur aufmerksam gemacht. Am 3. Januar 26 schaute ich in Wiesbaden seine Operninszenierung von Rossinis Barbier an. In dieser hochpopulären Rossini-Oper, die so munter, lebhaft und vorherhörbar klappt und schnappt wie die Scheren eines Friseurmeisters, werden die Puppen von den Sänger*innen (und drei weiteren Puppenspielern) geführt. Die zur Hässlichkeit tendierenden Klappmaulpuppen sind hart im Nehmen, liebevoll grob modelliert, um dann in Bewegung versetzt und wie zum Leben erweckt uns Zuschauerinnen sehr feinsinnig tja: zu bewegen.

Dazu passte hervorragend das stark verkleinerte Orchester: die Streicher solistisch, was dem Klang mehr Kanten verlieh, ergänzt durch ein Akkordeon, Gitarre und viel Schlagwerk.

Die Umständlichkeit der Komödie wurde ganz genau ausgespielt, so wie man das mit Puppen eben kann: Gemütsregungen, Übersteigerungen, wenn mit der herausgezogenen Zunge Don Basilios Doktor Bartolo erdrosselt wird, so tun als ob, wenn mit Schlüsseln geklappert wird statt technisch korrekt zu schließen. Ohne jeglichen aktualisierenden Schnickschnack übertrug der ganze Abend: hier kämpfen alle. Die weibliche Hauptfigur, Rosina, schreit danach, aus ihrem goldenen Käfig auszubrechen. Welche Männer ihr dann bei der Flucht vor den alten Scheusalen helfen, ist fast schon egal, nur RAAAAUSS!!

Foto: Maximilian Borchardt